Allergenkennzeichnung in den USA: FALCPA, FASTER Act & was Gastronomen wissen müssen

Einleitung
Die USA haben ein eigenständiges System der Allergenkennzeichnung, das sich in wesentlichen Punkten von der europäischen LMIV unterscheidet. Seit 2004 bildet der FALCPA (Food Allergen Labeling and Consumer Protection Act) das gesetzliche Fundament. 2023 wurde dieses System durch den FASTER Act erweitert, der Sesam als offizielles neuntes Hauptallergen aufnahm — und damit die bisherige „Big 8″-Liste ablöste.
Für europäische Gastronomen, die in den USA tätig werden, US-amerikanische Partner beliefern oder schlicht internationale Gäste optimal informieren möchten, ist dieses Wissen unverzichtbar. Denn wer nur das EU-System kennt, übersieht entscheidende Unterschiede in Systematik, Terminologie und Regulierungsebene. Dieser Artikel erklärt, was gilt, für wen es gilt — und wo die größten praktischen Unterschiede liegen.
FALCPA — Die Grundlage seit 2004
Der Food Allergen Labeling and Consumer Protection Act (FALCPA) wurde 2004 vom US-Kongress verabschiedet und trat zum 1. Januar 2006 in Kraft. Er definierte erstmals auf Bundesebene einen verbindlichen Katalog von Hauptallergenen — die sogenannten „Big 8″: Milch, Eier, Fisch, Krebstiere, Erdnüsse, Schalenfrüchte, Soja und Weizen.
Lebensmittelunternehmen, die unter die Aufsicht der FDA (Food and Drug Administration) fallen, sind seither verpflichtet, diese Allergene auf verpackten Lebensmitteln klar kenntlich zu machen. Zulässig sind zwei Methoden: entweder die Hervorhebung des Allergens direkt in der Zutatenliste (z. B. durch Fettdruck: Weizenmehl) oder ein separater „Contains:“-Hinweis unterhalb der Zutatenliste (z. B. „Contains: Wheat, Milk, Eggs“).
Wichtig zu verstehen: FALCPA betrifft in erster Linie verpackte Lebensmittel, die im Handel verkauft werden. Für Restaurants und Gaststätten auf Bundesebene gelten andere — und deutlich weniger verbindliche — Regelungen. Dazu mehr in Abschnitt 5.
FASTER Act 2023 — Sesam als 9. Hauptallergen
Der Food Allergy Safety, Treatment, Education, and Research Act (FASTER Act) wurde im April 2021 unterzeichnet und trat zum 1. Januar 2023 vollständig in Kraft. Sein zentrales Element: Sesam wird als neuntes Hauptallergen in den USA offiziell anerkannt und ist seitdem auf verpackten Lebensmitteln deklarationspflichtig.

Die Aufnahme von Sesam war lange überfällig. Sesamallergien nehmen in den USA und weltweit zu, schwere anaphylaktische Reaktionen sind dokumentiert, und Sesam war in einer Vielzahl von Produkten enthalten, ohne als Allergen hervorgehoben zu werden. Der FASTER Act schließt diese Lücke.
Der Gesetz enthält zudem einen wichtigen strukturellen Mechanismus: Es verpflichtet die FDA, die Allergenliste regelmäßig wissenschaftlich zu überprüfen und bei ausreichender Evidenz weitere Allergene aufzunehmen. Die USA haben damit erstmals ein formalisiertes Verfahren zur dynamischen Erweiterung ihrer Allergenliste — ein Schritt in Richtung des europäischen Modells. Alles Wissenswerte zu Sesam als Allergen finden Sie unter Sesam als Allergen im Detail.Die Top 9 US-Allergene im Vergleich zur EU-14
Die systematischen Unterschiede zwischen dem US-amerikanischen und dem europäischen Ansatz werden im direkten Vergleich besonders deutlich:
| US Top 9 (seit 2023) | Nur in der EU deklarationspflichtig |
|---|---|
| Milch | Sellerie |
| Eier | Senf |
| Fisch | Lupinen |
| Krebstiere | Weichtiere |
| Erdnüsse | Schwefeldioxid & Sulfite (ab 10 mg/kg) |
| Schalenfrüchte | (zusätzlich: Roggen, Gerste, Hafer unter Gluten) |
| Soja | |
| Weizen | |
| Sesam |
Der vielleicht bedeutsamste inhaltliche Unterschied liegt in der Glutenfrage: Die USA verwenden den Begriff „Weizen“ (wheat) als Deklarationseinheit. Das bedeutet, dass Roggen, Gerste und Hafer — obwohl sie Gluten enthalten und für Zöliakiepatienten gefährlich sind — in den USA nicht automatisch unter die Hauptallergen-Kennzeichnungspflicht fallen. Die EU hingegen verwendet den Oberbegriff „glutenhaltiges Getreide“ und erfasst damit Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel in einer gemeinsamen Kategorie.
Auch Sellerie, Senf und Lupinen — in der EU vollständig deklarationspflichtig — kennt das US-System nicht als regulierte Hauptallergene. Wer beide Märkte bedient, muss beide Systeme parallel beherrschen. Einen umfassenden internationalen Vergleich bietet EU vs. USA vs. China im Vergleich.FDA-Regeln für Restaurants
Hier liegt ein häufiges Missverständnis: FALCPA und FASTER Act verpflichten in erster Linie Hersteller verpackter Lebensmittel — nicht Restaurants oder Gaststätten. Auf US-Bundesebene gibt es kein Gesetz, das Restaurants zur Allergendeklaration auf der Speisekarte zwingt.
Der FDA Food Code — ein Regelwerk, das alle zwei Jahre aktualisiert wird und als Empfehlung für die Bundesstaaten dient — enthält Leitlinien für Allergen-Awareness-Programme in Küchen. Er ist jedoch nicht verbindlich und wird von den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich übernommen.
Dennoch sind Restaurants keineswegs aus der Verantwortung entlassen: Wer einen Gast über Allergene falsch informiert oder überhaupt nicht informiert und es zu einem allergischen Zwischenfall kommt, kann zivilrechtlich haftbar gemacht werden. Außerdem gilt in einigen Bundesstaaten das Argument, dass eine schwere Nahrungsmittelallergie unter den Americans with Disabilities Act (ADA) fallen kann — mit entsprechenden Verpflichtungen für Betriebe, die als „public accommodation“ eingestuft werden.
State Laws: Zwischen Bundesstaaten erhebliche Unterschiede
Da es kein einheitliches Bundesgesetz für Restaurants gibt, haben einzelne US-Bundesstaaten eigene Regelungen eingeführt — mit teils erheblichen Unterschieden:
- Massachusetts: Gilt als Vorreiter. Alle Mitarbeitenden in Lebensmittelbetrieben müssen ein sogenanntes Allergen Awareness Certificate nachweisen. Die gesetzliche Grundlage ist der Massachusetts Food Allergy Awareness Act von 2009.
- Michigan: Schreibt vor, dass in jeder Küche ein Allergen-Poster gut sichtbar angebracht sein muss.
- Rhode Island und Virginia: Haben ebenfalls eigene Allergen-Awareness-Regelungen für den Gastronomiebetrieb eingeführt.
Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Bundesstaaten verabschieden eigene Vorschriften, die über das Bundesminimum hinausgehen. Für Betriebe, die in mehreren US-Bundesstaaten tätig sind, empfiehlt sich daher die Strategie, sich an der jeweils strengsten geltenden Regelung zu orientieren — das schützt rechtlich und schafft Vertrauen bei den Gästen.
Praxisrelevanz für internationale Gastronomen
Für europäische Gastronomen ergeben sich aus dem US-System drei konkrete Handlungsfelder:
Betrieb in den USA: Wer in den USA eine Gaststätte betreibt, muss die State Laws des jeweiligen Bundesstaates kennen und einhalten. EU-Kenntnisse sind eine gute Basis, aber kein Ersatz für die lokale Rechtslage.
Umgang mit US-amerikanischen Gästen in Europa: US-Touristen sind es gewohnt, „Contains:“-Hinweise zu sehen und Allergene klar benennen zu können. Eine klare, verständliche Allergendeklaration auf der deutschen Speisekarte — idealerweise zweisprachig — erhöht das Vertrauen dieser Gäste erheblich.
**Internationale Ketten und Franchisesysteme:** Wer Betriebe auf beiden Seiten des Atlantiks führt, muss beide Systeme parallel beherrschen und sicherstellen, dass Rezepturdaten in beiden Regelwerken korrekt gepflegt sind. Wie eine digitale Lösung dabei helfen kann, zeigt Digitale Allergenkennzeichnung. Den Gesamtüberblick über internationale Systeme finden Sie unter Zurück zum Gesamtüberblick.Allergenkennzeichnung automatisch erledigen
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Häufige Fragen
Welche Allergene müssen in den USA deklariert werden?
Seit dem Inkrafttreten des FASTER Act am 1. Januar 2023 sind in den USA neun Lebensmittel als Hauptallergene (Major Food Allergens) klassifiziert: Milch, Eier, Fisch, Krebstiere, Erdnüsse, Schalenfrüchte (tree nuts), Soja, Weizen und Sesam. Diese Klassifizierung verpflichtet Hersteller verpackter Lebensmittel unter FDA-Aufsicht, die genannten Allergene klar und eindeutig auf der Verpackung zu kennzeichnen — entweder durch Hervorhebung in der Zutatenliste oder durch einen separaten „Contains:“-Hinweis.
Ein wichtiger Unterschied zur EU: Die USA verwenden den Begriff „Weizen“ (wheat), nicht „Gluten“. Das bedeutet, dass andere glutenhaltige Getreidearten wie Roggen, Gerste oder Hafer nicht automatisch unter die neun Hauptallergene fallen und separat nicht zwingend deklariert werden müssen, obwohl sie für Menschen mit Zöliakie ebenso gefährlich sein können. Wer für Gäste mit Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie kochen möchte, sollte daher alle glutenhaltigen Zutaten unabhängig vom gesetzlichen Mindeststandard vollständig offenlegen.
Was hat sich durch den FASTER Act 2023 geändert?
Der FASTER Act — Food Allergy Safety, Treatment, Education, and Research Act — ist die bedeutendste Änderung des US-Allergenrechts seit der Einführung von FALCPA im Jahr 2004. Sein zentrales Element: Sesam wurde zum 1. Januar 2023 als offizielles neuntes Hauptallergen anerkannt. Zuvor war Sesam trotz zunehmender Prävalenz von Sesamallergien und teils schwerer anaphylaktischer Reaktionen nicht deklarationspflichtig — eine Lücke, die der FASTER Act schließt.
Darüber hinaus enthält der FASTER Act einen strukturell wichtigen Mechanismus: Die FDA wird verpflichtet, ihre Allergenliste auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse regelmäßig zu überprüfen und bei ausreichender Evidenz weitere Allergene aufzunehmen. Die USA haben damit erstmals ein formalisiertes, dynamisches Verfahren zur Erweiterung ihrer Allergenliste — ein Schritt, der das US-System langfristig anpassungsfähiger macht. In der Übergangphase nach 2023 gab es praktische Umsetzungsprobleme, da einige Hersteller Sesam in bestehende Rezepturen integrierten, um die gesonderte Kennzeichnung zu umgehen — eine Praxis, die regulatorisch kritisch beobachtet wird.
Müssen US-Restaurants Allergene auf der Speisekarte angeben?
Auf Bundesebene gibt es in den USA keine gesetzliche Pflicht für Restaurants, Allergene auf der Speisekarte zu deklarieren. FALCPA und FASTER Act richten sich primär an Hersteller verpackter Lebensmittel unter FDA-Aufsicht — nicht an Gaststätten, Restaurants oder Imbisse. Das bedeutet jedoch nicht, dass Restaurants keine Verantwortung tragen.
Erstens: Mehrere US-Bundesstaaten haben eigene Allergen-Gesetze für die Gastronomie erlassen. Massachusetts etwa schreibt ein verpflichtendes Allergen Awareness Certificate für alle Mitarbeitenden vor; Michigan verlangt Allergen-Poster in der Küche. Wer in einem solchen Bundesstaat tätig ist, muss diese Regeln einhalten. Zweitens: Zivilrechtliche Haftung kann entstehen, wenn ein Gast durch falsche oder ausbleibende Allergeninformation einen anaphylaktischen Schock erleidet. Der FDA Food Code empfiehlt zudem Allergen-Awareness-Programme als Best Practice für alle Lebensmittelbetriebe — auch wenn er nicht verbindlich ist.
Was sind die größten Unterschiede zwischen EU- und US-Allergenkennzeichnung?
Die Unterschiede sind erheblich und betreffen sowohl den Umfang der Allergenliste als auch die Regulierungsebene. Die EU verpflichtet zur Deklaration von 14 Allergenen, die USA von 9. Fünf Stoffe sind in der EU deklarationspflichtig, in den USA jedoch nicht: Sellerie, Senf, Lupinen, Weichtiere und Schwefeldioxid/Sulfite. Hinzu kommt der terminologische Unterschied bei Gluten: Die EU erfasst unter „glutenhaltigem Getreide“ alle relevanten Getreidearten (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer), während die USA nur „Weizen“ als Hauptallergen führen.
Der wichtigste strukturelle Unterschied liegt in der Regulierungsebene: Die EU verpflichtet auch Restaurants und Gastronomiebetriebe direkt zur Allergendeklaration. In den USA ist dies auf Bundesebene nicht der Fall — die Pflichten für Restaurants variieren je nach Bundesstaat erheblich. Für international tätige Gastronomen bedeutet dies: Beide Systeme müssen bekannt sein, und im Zweifelsfall gilt es, die jeweils strengere Anforderung zu erfüllen.
Zuletzt aktualisiert: 2026 · ChinaYung — Allergenkennzeichnung für die Gastronomie
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